Gewittersturm fegte Gerald fast von der Straße…

| Keine Kommentare

load images

In der fünften Nacht hatte der Wettergott offenbar etwas gegen Gerald „Geri“ Bauer und das Team. In Kansas sahen wir stundenlang schon massives Wetterleuchten und zuckende Blitze aus allen Himmelsrichtungen. Ein gigantisches Schauspiel, aber kein gutes Omen. Das große Unwetter brach tatsächlich über uns herein. Nur fünf Minuten nach dem ersten Regentropfen regnete und stürmte es so massiv, dass wir Geri aus dem Pacecar nicht mehr auf der Straße erkennen konnten. Starke Windböen fegten Geri fast von der Straße, es war unmenschlich und eindeutig zu gefährlich für ihn. Wir holten ihn sofort ins enge Pace Car und versuchten ihn so gut wie möglich trocken zu legen. Das Rad mussten wir vorne bei den Zusatzscheinwerfern fixieren, es wäre sonst weggeweht worden. Geri nickte für 20 Minuten ein. Zeit für uns, das Wohnmobil zu kontaktieren, damit es uns entgegenfährt. Als der etwas Regen nachlie&sz lig;, setzten wir Geri in Regenkleidung noch einmal für ein paar Meilen aufs Rad, um den Rückenwind zu nutzen, aber dann war er heilfroh, die kurze Schlafpause im Wohnmobil vorziehen zu können, bevor es für ihn wieder weiter ging. Wettertechnisch haben wir ziemlich alles abgehakt: Hitze in der Wüste, Kälte in den Rocky Mountains und Gewitterstürme in Kansas. Fehlen noch Schnee und ein Tornado, aber darauf können wir sehr, sehr gut verzichten. Wie massiv das Unwetter war, sah man erst am Morgen danach am Wohnmobil genau. Hagelkörner haben die Dachluke durchschlagen.

Und das geschah am Tag zuvor…

Mein Name ist Forrest, Forrest Gump. Die Gedanken an Tom Hanks wie er durch die Ebenen Amerikas läuft, drängten sich auf als wir mit Gerald Bauer von Colorado nach Kansas fuhren. Das hier ist die Kornkammer der USA, die Farben Gelb (Felder), Blau (Himmel) und Grau (Asphalt) dominieren. Endlose Geraden sind für den Kopf eine besondere Belastung, gefühlt geht nichts weiter, der Wind von der Seite ist noch dazu lästiger Begleiter, Gerald kämpft mit dem Knie, es schmerzt ein wenig. „Aber das ist ganz normal. Niemand fährt das Race Across America ohne Schmerzen. Ich kann damit umgehen, habe mich gut darauf eingestellt“, versichert Geri vom Radsattel aus. Der Tritt ist gut, er „vergnügt“ sich mit Musik im Ohr. Um das Sitzfleisch zu schonen, hat Geri inzwischen zwei Owayo-Radhosen übereinander an. Den Off-Schalter für den Wind müssen wir allerdings erst suchen. „Mark Pattinson, der heuer zum vierten Mal dabei ist, hat mir bestätigt, was ich fühle: Der Wind ist heuer extrem ungünstig. Kommt meilenweit von vorne oder der Seite, anstatt von hinten. Auf so vielen Kilometern macht es sehr viel aus, ob man mit Gegenwind 20 km/h oder mit Rückenwind 35 km/h fährt“, sagt Geri.

Die wilden Hunde an der Spitze…

Natürlich verfolgen wir im Team auch den Stand des Rennens  – sofern uns Zeit bleibt. Das Duell zwischen Christoph Strasser (Steiermark) und Reto Schoch (Schweiz) ist mehr als beeindruckend, wir ziehen den Hut vor den beiden. Vom ORF haben wir erfahren, dass Christoph sogar auf Rekordkurs ist, einfach super! Um dem dritten Platz geht es ebenfalls zur Sache, der zweifache Sieger des RAAM  Dani Wyss und unserem Gerhard Gulewicz entbrennt ein heißes Duell. Der Newsticker und das Live-Tracking sind auch für uns eine willkommene Abwechslung.

Die Spitze oder überhaupt der Stand des Rennens interessiert Geri herzlich wenig – noch. Er ist vielmehr damit beschäftigt, den Rhythmus zu finden und sich wieder auf die Hitze einzustellen. Ja, ihr habt richtig gelesen. 10 Stunden vorher haben wir ihn noch warm eingepackt, um ihn sicher aus den Rocky Mountains zu bringen, jetzt in Kansas kühlen wir ihn wieder mit Eiswürfeln und kalten Tüchern bei 37 Grad. Die Belastung für den Körper bei diesen Temperatur-Unterschieden ist extrem und doch ist Geri geistig noch voll da. Immerhin haben wir den fünften Renntag und er hat nur zirka sieben Stunden geschlafen. Seinen Humor hat er auch noch. Wir haben ihn gefragt, worum sich seine Gedanken drehen, wenn es so ewig immer nur gerade aus geht. Prompte Antwort: „Da kann ich mich nicht verfahren.“

Fotos: Lorenz Masser
Video: Gerald Weiskopf

Leave a Reply

Pflichtfelder sind mit * markiert.